Von null bis abgedreht in einem Monat

Wenn man einen Film machen will, dann braucht das oft viel Vorbereitung, eine ausgedehnte Vorproduktion und mehr als genügend Zeit. Dass es jedoch auch hin und wieder spontan und flexibel funktionieren kann, zeigt das letzte Projekt des Österreichischen Jugendfilmverbands. Learning by Doing ist eines unserer Prinzipien, aber manchmal muss man auch das bereits Gelernte in handfestem Doing umsetzen, um einen Film vom Papier in die Realität zu bringen.

 

Der Projektantrag

Auf die Initiative unseres Mitglieds Alexander Hörl, der auch das Drehbuch für den Kurzfilm verfasste, wurde das Projekt gestartet und von der Regisseurin Melanie Andrich geplant. Nur knappe drei Wochen vor dem geplanten Drehzeitpunkt, dem 21. und 22. September, erreichte der Projektantrag den Vorstand. Nach einer recht flotten Genehmigung startete das Rennen gegen die Zeit, um alles rechtzeitig auf die Reihe zu bekommen, sodass das Drehwochenende wie geplant stattfinden konnte.

Die Vorproduktion

Alexander, der für Theaterproduktionen an seiner Schule, dem Bundes(real)gymnasium Ried im Innkreis, bereits Stücke verfasst hatte, versuchte sich zum ersten Mal an einem Drehbuch für einen Film. Selbstständig, aber mit Feedback von anderen Mitgliedern verfasste er die Erzählung für den Kurzfilm. Auf der Basis dieses Drehbuchs wurde von Alexander mit Melanie und dem Projektbetreuer Tobias Schachinger ein Storyboard erstellt. Dieses dient der Visualisierung der einzelnen Einstellungen, auch Shots genannt, um die Vorstellungen des Drehbuchautors / der Drehbuchautorin am Drehort möglichst genau einfangen zu können. Für den organisatorischen Teil des Drehs wurde dieses Storyboard auch noch in eine Shotlist, in eine textbasierte Aufzählung der einzelnen Einstellungen, umgewandelt, um den Zeitplan im Auge behalten zu können.

Außer diesen Aufbereitungen der Erzählung ist es natürlich auch wichtig, eine Location, Requisiten und Kostüme sowie Verpflegung für die ProjektmitarbeiterInnen zu besorgen. Mit der Unterstützung unseres Ehrenmitglieds Lydia Höfurthner, in deren Wohnung wir drehen durften, und der Mitarbeit von einigen Mitgliedern, die Requisiten und Kostüme beisteuerten, konnten auch diese Elemente für einen gelungenen Dreh in einer Rekordzeit gecheckt werden.

An dieser Stelle ein Dankeschön an alle ProjektmitarbeiterInnen, die sich großteils recht kurzfristig und spontan dazu verpflichteten, ein Wochenende ihrer Zeit für die Produktion des Projekts zur Verfügung zu stellen und aktiv am Gelingen des Drehs mitzuarbeiten. Namen der MitarbeiterInnen: Melanie Andrich, Tobias Schachinger, Alexander Hörl, Florian Siuka, Jasmin Höfurthner, Bernhard Penco, Moritz Reisinger, Claudia Mattes, Matthias Guntner, Maximilian Pichler, Tobias Pichler, Daniel Mattes, Gülhan Beyaz

Der Drehbeginn

Samstag um halb 9 trafen die Ersten am Drehort, in Utzenaich, Bezirk Ried im Innkreis in Oberösterreich, ein. Zuerst musste das gesamte Equipment von den Autos in die Wohnung getragen werden, um anschließend aufgebaut werden zu können. Unter anderem kamen unsere neuen C-Stands als Halter für Licht und Reflektor zum Einsatz. Auch alle Schauspieler und Crewmitglieder trafen rechtzeitig ein. Alexander, der leider etwas verkühlt war, erschien trotzdem zu seiner zweiten Hauptrolle (er spielte Lukas bei unserem letzten Sommerprojekt „Escape“).

Um halb 10 waren wir schließlich bereit, mit dem Drehen zu beginnen. Mit vollem Einsatz legten Alexander und Bernhard los. Zu viel will ich natürlich nicht verraten, um Euch nicht zu spoilern, aber es sei gesagt, dass überfließende Emotionen und ein Schachbrett eine große Rolle spielten. Hier sind dennoch einige – spoiler-freie – Fotos vom ersten Drehtag

Um die Mittagszeit genossen wir die gesponserten Semmeln, Brote und Plunderstücke von der Bäckerei Enzlmüller und stärkten uns so, um am Nachmittag die verbleibenden Shots fertigstellen zu können. Da wir nur zwei Tage lang Zeit hatten, um den gesamten Film unter Dach und Fach zu bringen, mussten wir uns beeilen, ohne jedoch dabei Qualität einzubüßen. Dafür wurden die Pausen eher kurz gehalten: Frische Luft, Kaffee und zuckrige Leckereien vom Bäcker hielten uns bei Laune.

Bevor wir nach Hause fuhren, bekamen alle noch eine Monsterportion Spaghetti. Mit vollen Bäuchen endete für uns der Drehtag um kurz nach 21 Uhr.

Der Außendreh

Am Sonntagvormittag drehten wir im Stadtpark von Ried im Innkreis, in der Nähe der Landesmusikschule. Dort suchten wir uns eine kleine Lichtung, in der wir vor der Sonne geschützt waren, um die Szenerie einigermaßen gleichmäßig beleuchtet zu haben, damit es am Bild so aussieht, als wären nicht die Stunden vergangen, die wir für den Dreh der Szene brauchten. Das bedeutete leider auch, dass uns aufgrund der eher frischen Temperaturen im Schatten kalt war. Wir zitterten still vor uns hin, damit unser Zittern nicht auf den Audioaufnahmen zu hören war.

Zu Mittag aßen wir noch mehr von dem leckeren Gebäck, das wir von der Bäckerei Enzlmüller gesponsert bekommen hatten, und strichen darauf den Erdäpfelkäs, den uns Lydia am Vorabend gemacht hatte.

Auch unsere StatistInnen zeigten vollen Einsatz. Mit Sprüngen durch die Botanik, die nach dem fünften Take genauso enthusiastisch durchgeführt wurden wie beim ersten, erheiterten sie die Crew an diesem zweiten Drehtag. Ein besonderer Gast bei unserem Dreh war der 13-jährige Arthur. Unser bislang jüngster Statist wollte auch einmal in einen unserer Drehs hineinschnuppern.

It’s a wrap!

Der Zeitdruck wurde vor allem gegen Abend spürbar, als wir wieder in Utzenaich waren, um die letzten Innenszenen zu drehen. Einige der Crewmitglieder mussten früher weg, da sie noch am selben Abend nach Wien bzw. St. Pölten mussten. Wir nutzten die Stunden bis um 18 Uhr.

Besonders spannend wurde der letzte Shot: Nachdem die Vorbereitungsarbeiten für den vorletzten viel länger als geplant dauerten, hatten wir schließlich nur mehr fünf Minuten, um den Hintergrund und das Setting einzurichten, Melanie als Ersatz für einen kurzfristig ausgefallenen Schauspieler in einem von Lydia spontan zur Verfügung gestellten Outfit dort zu platzieren und den Shot in einem Take abzudrehen. Ob dieses zeitlich herausfordernde Unterfangen ein Erfolg war, wird sich beim Schnitt zeigen. Wir bleiben also gespannt.

Durch das Adrenalin der letzten Drehminute hervorgeholte Kraftreserven erlaubten es uns, in einer Rekordzeit den Drehort aufzuräumen, alles an Equipment zusammenzupacken und in die Autos zu verladen. So kamen alle rechtzeitig zum Zug oder gemütlich nach Hause.

Die Postproduktion

Was kommt nach dem Dreh? Genau, das Schneiden des Films! Der Dreh hat natürlich wenig Nutzen, wenn dann aus dem erschaffenen Material nichts gemacht wird. Für die Koordination der Postproduktion engagiert sich Friedrich Naderlinger, der mit einem kleinen Team den Film schneidet, den Ton mischt, die Farben anpasst und ein paar visuelle Effekte ins Bild zaubert. In den nächsten Monaten wird sich also zeigen, was aus unserem spontanen Projekt geworden ist. Vielleicht kann man es sogar bei der nächsten Premiere bestaunen…

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